…entspann Dich!

magkaenslaAllgemein

Kennen Sie das? Sie laufen den Flur in der Firma entlang und ein Kollege oder Kollegin begegnet Ihnen und sagt: „lach doch mal“, oder Sie sind in einem Gespräch oder Meeting und Sie hören den Satz: „entspann Dich“. Diese Art der Aufforderung lässt sich fortführen mit: „da musst Du los lassen“, „reg Dich nicht so auf“, „sei mal spontan“, „hab keine Angst“ oder „stell Dich nicht so an“.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie diese Sätze hören?

In der Regel trifft nicht das ein, was durch die Aufforderung verlangt wird. Es passiert das Gegenteil. Das Lächeln bleibt im Hals stecken, die Entspannung spannt an, das Loslassen fängt an zu krampfen, die Angst verstärkt sich, die Spontanität baut Druck auf und das Anstellen stellt sich an. Losgelöst ob die auffordernde Person der Auslöser dieser Emotion ist oder auch nicht, verstärkt sich das Empfinden der betroffenen Person.

Was passiert bei beiden Personen, bei der die bspw. in einem Gespräch oder Meeting – „entspann Dich“ sagt (Person A) – und bei der, die das hört (Person B)? Wobei bei Person B zwei Möglichkeiten an Empfindungen sein können, nämlich zum einem Sie ist in der Tat angespannt, oder sie ist entspannt und hat schlichtweg eine andere Meinung zu dem Thema.

Person A stellt sich vermeintlich über Person B und signalisiert, dass sie weiß wie Person B zu empfinden hat. Nämlich, dass sie gerade „falsch“ empfindet und lässt sie gleichzeitig mit dem Gefühl alleine. Das „falsche“ Gefühl verstärkt sich dadurch bei Person B.

Nehmen wir an, Sie sind Person B, können folgende Reaktionen bei Ihnen stattfinden: Sie sind über diese Aussage irritiert und ein unangenehmes Schamgefühl tut sich auf. Sie meinen, Sie müssten sich für ihr Empfinden erklären und rechtfertigen (bewusst oder unbewusst). Sie meinen, dass Sie „falsch“ empfinden und möchten „richtig“ empfinden. Dadurch sprechen Sie sich selber ihr eigenes wahrgenommenes Gefühl in der genannten Situation ab, ähnlich wie es Ihnen Person A abspricht. Natürlich in der Hoffnung, der Situation gerecht zu werden und ihr Gesicht zu wahren. Sie empfinden das Verhalten von Person A übergriffig? Sie haben nicht den Eindruck, dass Sie wahr- und ernstgenommen werden? Sie sind damit beschäftigt, das unangenehme Gefühl – welches sich verstärkt – herunterzuspielen oder wegzudrücken und das Gespräch bekommt eine Schieflage?

Nehmen wir an, Sie sind Person A, könnte sich folgendes bei Ihnen abspielen: Sie möchten mit dem „unguten“ Gefühl des Gegenübers nichts zu tun haben, weil es Ihnen (bewusst oder unbewusst) z.B. Angst macht. Sie möchten, dass sich Person B so verhalten möge, dass es Ihnen gut geht. Sie meinten das doch nur gut – wo ist da das Problem?

Was für eine Strategie (bewusst oder unbewusst) steckt hinter so einer Aussage?

Bleiben wir bei dem Satz „entspann Dich“, was bringt Person A dadurch zum Ausdruck?

Weil Du (Person B) so unentspannt bist/wirkst (äußerer Reiz) – bin ich (Person A) unsicher und verhalten (emotionale Reaktion) – deshalb sollst Du dich jetzt entspannen (Fremdmanipulation) – damit ich mich sicher und souverän fühlen kann (Stabilisierung) – sonst würde deutlich werden, wie viel Bestätigung ich brauche, um meine Unsicherheit nicht zu spüren (vermiedenes Aua).

Anders formuliert verbirgt sich folgendes Muster hinter diesem Verhalten:

1) der äußere Reiz: Person B zeigt ein Verhalten

2) emotionale Reaktion: Person A reagiert automatisch mit einem bestimmten Gefühl und/oder Verhalten darauf

3) Fremdmanipulation: Person A versucht (über Aufforderung, Maßregelung, Drohung, Bestrafung, Demütigung, Belohnung, uvm.) Person B zu einem für A besseres Verhalten zu beeinflussen.

4) Stabilisierung: Das ermöglicht Person A, sich so zu fühlen, dass es ihr gut geht.

5) vermiedenes Aua: Würde Person A dies nicht tun und stattdessen spüren, weshalb sie emotional von Person B Verhalten abhängig ist, würde das in ihr verborgene Aua deutlich werden und wie ungeübt Person A ist, damit umzugehen.

Vielen ist nicht bewusst, wie sie mit dieser Art an Äußerungen den anderen manipulieren, um ihre eigene Bedürftigkeit nicht zu spüren. Die Verantwortung wird auf das Gegenüber (Person B) abgegeben und der hat dann für das Wohlbefinden für Person A zu sorgen. Dies geschieht i.d.R. unbewusst und ist tagtäglich im Umgang miteinander – oder in Ihrem Umgang mit Ihnen selbst – zu finden.

Wie herausfordernd ist es für beide Personen, sich nicht beirren zu lassen, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und bei sich zu bleiben? Die eigenen Gefühle oder die der Anderen nicht abzusprechen. Den Mut zu haben zu sich zu stehen, sie wahrzunehmen und lernen damit umzugehen. Wie selbstverständlich sind diese Aufforderungen oft unter dem Deckmantel der Fürsorge oder des gut gemeinten und wie oft wenden wir sie im Umgang mit anderen Personen oder bei uns Selbst an.

Es ist herausfordernd, sich an dieser Stelle selber auf die Schliche zu kommen und Selbstverantwortung zu übernehmen. Sich wahrnehmen und ernst nehmen, frei von Fremd- oder Selbstmanipulation – dabei unterstütze ich Sie gern und lade Sie ein, selbst Einfluss auf Ihr Leben zu nehmen.